'Nachhaltige Entwicklung ländlicher Regionen durch die Vernetzung von Produzenten und Verwertern von Dendromasse für die energetische Nutzung'



Im AgroForNet-Projekt geht es um...

Projekt Agrofornet - Abstract

Das Gesamtziel des Forschungsvorhabens AgroForNet besteht im Aufbau von regionalen Wertschöpfungsnetzen zur nachhaltigen und effizienten Erzeugung und Bereitstellung von Dendromasse (= holzartige Biomasse) aus Land- und Forstwirtschaft sowie der offenen Landschaft in den drei Modellregionen „Lausitz“, „Mittelsächsisches Lößhügelland“ und „Südliche Metropolregion Hamburg“.

In den Modellregionen wird durch Einbeziehung von land- und forstwirtschaftlichen Unternehmen Dendromasse im Wald, in Kurzumtriebsplantagen (KUP) und in der offenen Landschaft nachhaltig produziert und bereitgestellt, durch Dienstleistungsunternehmen transportiert, getrocknet und kompaktiert und in Kommunen, Kraftwerken und Industriebetrieben energetisch genutzt. Diese Unternehmen werden über innovative Geschäftsmodelle in regionalen Wertschöpfungsnetzen miteinander verbunden.

Mit den fünf Teilprojekten
(1) „Natur- und Ressourcenschutz / Landschaftsökologie“‚
(2) „Sozio-Ökonomie und Raumplanung“,
(3) „Produktion und Dienstleistungen“,
(4) „Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit“ sowie
(5) „Projektmanagement und Projektkoordinierung“
werden die Unternehmen in den drei Modellregionen wissenschaftlich begleitet und unterstützt. Durch die wissenschaftliche Begleitung und unternehmerische Umsetzung soll in den Modellregionen das Dendromassepotenzial erhöht und die regionale Wirtschaftsentwicklung sowie die nachhaltige Flächennutzung gefördert werden.

AgroForNet leistet damit wertvolle Beiträge für:

  • eine nachhaltige regionale Wirtschaftsentwicklung,
  • ein nachhaltiges Flächenmanagement,
  • die Stärkung der Kooperation und Kommunikation regionaler Akteure,
  • die dezentrale Versorgung von Wärme- und Stromproduzenten mit Dendromasse sowie
  • eine effiziente und nachhaltige energetische Nutzung von Dendromasse.





Wissenschaftliche und technische Arbeitsziele

Innovative Wertschöpfungsnetze

Hauptziel des Vorhabens AgroForNet ist es, in den drei Modellregionen „Lausitz“, „Mittelsächsisches Lößhügelland“, und „Südliche Metropolregion Hamburg“ regionale Wertschöpfungsnetze zur nachhaltigen und effizienten Erzeugung und Bereitstellung von Dendromasse aus dem Wald, aus Kurzumtriebsplantagen und aus Gehölzen der offenen Landschaft aufzubauen, die nach der Projektlaufzeit wirtschaftlich weiterarbeiten und Beispielcharakter für andere Regionen in der Bundesrepublik Deutschland haben.

Die Vernetzung von Dendromasseproduzenten aus Land-, Forstwirtschaft und Landschaftspflege mit kommunalen, gewerblichen und industriellen Verwertern sowie dienstleistenden Lohnunternehmen, Banken, Rechtsberatern und öffentlichen Verwaltungen ist in der angestrebten Form neu. Sie beruht auf fünf bis sechs partizipativen, regional- und strukturspezifischen Geschäftsmodellen (s. TP 2). Durch die regionale Ausrichtung wird sichergestellt, dass die angestrebte Wertschöpfung in der Region bleibt und so ein Beitrag zur Stabilisierung des Beschäftigungsangebotes in den Regionen geleistet werden kann.

Durch Berücksichtigung und Integration von produktions-, naturschutz- und landschaftsökologischen Aspekten werden Synergien zwischen diesen Bereichen erschlossen und damit Beiträge zur Verbesserung eines nachhaltigen Flächenmanagements geleistet. Die Konzentration auf Dendromasse resultiert u. a. aus dem gegenwärtigen Stand der energetischen Holznutzung in Deutschland. So wurden 2005 etwa 43 Mio. m3 und 2007 schon 52 Mio. m³ Holz energetisch genutzt und für 2020 werden für diese Zwecke 65 Mio. m³ (davon 10 Mio. m³ aus Kurzumtriebsplantagen) prognostiziert (BMELV 2009, BMU 2008). Die im Spannungsfeld einzelwirtschaftlicher und gesamtgesellschaftlicher Interessen entstehenden Nutzungs- und Zielkonflikte werden im Rahmen des Projektes identifiziert, analysiert und beim Aufbau der Wertschöpfungsnetze berücksichtigt. Auf regionaler Ebene werden in partizipativen Prozessen Optionen zum Interessenausgleich aufgezeigt.



Kooperation und Kommunikation regionaler Akteure

Die Entwicklung von Geschäftsmodellen, Nachhaltigkeitskriterien und Raumplanungsinstrumenten beruht auf der intensiven Kooperation und Kommunikation der o. g. regionalen Akteure. Zudem wird durch partizipative Elemente eine möglichst große Akzeptanz in der Region sichergestellt. Die Vernetzung der Akteure erfolgt innerhalb der Modellregionen und deutschlandweit durch den Aufbau einer Kommunikationsplattform, die den Informationsaustausch und Wissenstransfer sicherstellt und jedem Akteur offen steht (s. TP 4) und die über den Förderzeitraum hinaus Bestand haben wird.



Konzepte für eine dezentrale Versorgung mit Dendromasse

Der Aufbau regionaler Dendromasse basierter Wertschöpfungsnetze ist nur Erfolg versprechend, wenn gleichzeitig Konzepte zur dezentralen Wärme- und Stromproduktion entwickelt werden. Aus der geringen Energiedichte von Holz im Vergleich zu fossilen Energieträgern resultiert eine geringe Transportwürdigkeit. Ziel ist es daher, regionale Absatzwege zu schaffen und effizient zu gestalten (s. TP 3). Dabei ist auch vorgesehen, für vorhandene und geplante Siedlungsobjekte die Möglichkeiten einer dezentralen Wärmeversorgung in der Nähe von Biomasseheiz(kraft)werke (BMHW) zu forcieren.



Effiziente und nachhaltige Nutzung von Dendromasse

AgroForNet setzt in Anbetracht der vielfältigen möglichen Bioenergielinien bewusst auf Dendromasse. Aktuelle Studien zeigen, dass die Verwendung von Hackschnitzeln aus dem Wald und aus Kurzumtriebsplantagen zur Strom- und Wärmeerzeugung in Kraft-Wärme-Kopplung (KWK)-Anlagen in mehrfacher Hinsicht besonders effizient ist. Je Hektar wird sowohl ein vergleichsweise hoher Energieertrag erzielt und aufgrund der extensiven Bewirtschaftung eine hohe CO2-Vermeidungsleistung bei niedrigen CO2-Vermeidungskosten erreicht, d. h., die energetische Nutzung von Dendromasse verursacht bei einer günstigen Ökobilanz volkswirtschaftlich geringe Kosten (WBA 2008).



Nachhaltiges Flächenmanagement

Kurzumtriebsplantagen können sowohl auf Flächen angelegt werden, die für die Nahrungsgüterproduktion schlecht geeignet sind als auch in ausgeräumten und intensiv bewirtschafteten Landschaften, die dadurch ökologisch aufgewertet werden. Sie sind geeignet, die negativen Folgen des Klimawandels abzumildern. Dies soll in den Modellegionen „Lausitz“, „Mittelsächsisches Lößhügelland“ und „Südliche Metropolregion Hamburg“ beispielhaft für andere Regionen Deutschlands gezeigt werden. Ziel von AgroForNet ist es, durch Bewertung und Steuerung von Naturhaushaltsfunktionen und Produktionspotenzialen sowie das Management biotischer Risiken den Anbau von Dendromasse im Sinne eines nachhaltigen Flächenmanagements zu optimieren (s. TP 1). Von Bedeutung für eine energetische Nutzung ist auch die Dendromasse aus bewirtschafteten Wäldern. Hier geht es um die Mobilisierung von Holzpotenzialen vor allem aus dem Kleinprivatwald, die energetische Nutzung von Waldresthölzern und die langfristige Veränderung von Bewirtschaftungsstrategien. Die Verhältnisse zwischen stofflicher und energetischer Holzverwertung (Nutzungskaskaden) werden analysiert.

Darüber hinaus sollen Möglichkeiten und Grenzen formeller und informeller Planungsinstrumente zur Beeinflussung eines nachhaltigen Flächenmanagements identifiziert und Empfehlungen für ihre Ausgestaltung gegeben werden (s. TP 2). Hierfür werden Methoden für die Bewertung von Landschaftsbild und Landschaftsästhetik weiterentwickelt und auf verschiedenen Skalenebenen (Betrieb, Verwertungsanlage, Landschaft, Region) angewendet. Die Reaktionen, Meinungen und Interessen von Bürgern und Tourismusstakeholdern werden in ein Biomasseanbaukonzept integriert.




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