Nutzung von Waldrestholz

Waldrestholz

Potenziale für Energieholz aus dem Wald gibt es vor allem beim Waldrestholz. Dies ist laut Kaltschmitt und Hartmann „der Teil des Holzzuwachses, der nach der Entnahme sämtlichen Holzes, das unter den gegebenen ökonomischen Rahmenbedingungen industriell oder anderweitig genutzt werden kann, im Bestand verbleibt.“ Allerdings werden „das Stubbenholz bzw. der Stock nicht zum Waldrestholz gezählt, da es für eine energetische Nutzung praktisch nicht verfügbar ist.1

Innerhalb der letzten fünfzehn Jahre hat sich die energetische Holznutzung verdreifacht. Im Jahr 2008 wurden 24 % des Holzeinschlages im Wald energetisch verwertet. Durch die energetische Nutzung des Restholzes, das z. B. in der Sägeindustrie anfällt, erhöht sich die energetische Verwertung sogar noch.2

Die Baumartengruppe Fichte, also alle Nadelholzarten außer Kiefer, Douglasie, Tanne und Lärche, haben den größten Anteil am Energieholz aus dem Wald. Es folgen Buche, Kiefer, Lärche und zuletzt Eiche. Insgesamt ergibt sich in Deutschland ein jährliches Waldrestholzpotenzial von etwa 9,5 Mio tatro sowie je nach Aufbereitungsgrenze von 8 oder 12 cm ein zusätzliches Schwachholzpotenzial von 7 bzw. 4,3 tatro.3

Bezogen auf den jährlichen Primärenergiebedarf entspricht das Waldrestholzpotenzial einem Anteil von 2 %. Allerdings gibt es regionale Unterschiede. In waldreichen Regionen mit geringer Bevölkerungsdichte übersteigt das Potenzial den tatsächlichen Bedarf. Ob sich die Nutzung wirtschaftlich lohnt, hängt zum einen von der Transportentfernung und zum anderen von den Preisen für die anderen Energieträger ab.4

Waldrestholz wird in Form von Scheitholz und Hackschnitzeln verwertet. Etwa 70-80 % des Waldrestholzaufkommens werden in Anlagen mit über 1 MW verwertet. Doch seit einigen Jahren steigt vor allem auch die Energieholznutzung in Privathaushalten.5

Allerdings geht es bei der nachhaltigen Waldbewirtschaftung nicht nur darum, nur so viel Holz zu entnehmen wie nachwächst, sondern auch darum, den Nährstoffkreislauf im Wald zu erhalten. Bei der verstärkten Entnahme von Waldrestholz kann es hier zu Problemen kommen, wie z.B. verminderter Humusbildung oder Bodenversauerung.

Das Holz enthält nur wenige Nährstoffe. Die höchsten Nährstoffkonzentrationen befinden sich in den Nadeln und Blättern, gefolgt von Rinde und Reisholz. Daher sollte nie die gesamte Biomasse entnommen werden, sondern vor allem Kronenteile im Wald verbleiben, damit der Nährstoffkreislauf erhalten bleibt. Die möglichen negativen Auswirkungen durch die Waldrestholznutzung hängen auch von den vorhandenen Nährstoffvorräten, der Bestandesart und zahlreichen Umwelteinflüssen ab. Auf nährstoffarmen Standorten sollte allerdings generell nur das Derbholz entnommen werden.6 In FSC-zertifizierten Wäldern sind die Vollbaum- und Waldrestholznutzung zurzeit nicht erlaubt, da es bislang kaum Kenntnis darüber gibt, inwiefern dadurch kritische Nährstoffmengen entzogen werden. 7

Auch aus naturschutzfachlichen Gründen sollte das Waldrestholz nicht vollständig entnommen werden, da Totholz ein wichtiges Habitat für viele Tierarten ist. 2

Ein weiteres Konzept zur verstärkten Nutzung von Energieholz aus dem Wald wird am Waldbau-Institut der Universität Freiburg entwickelt. Im Projekt Energie-Vorwald geht es darum, schnellwachsende Baumarten als Vorwald anzupflanzen, z. B. wenn durch Sturm oder Insektenbefall große Freiflächen entstanden sind. 8




Literatur

1 Kaltschmitt, Martin/ Hartmann, Hans (2001): Energie aus Biomasse. Grundlagen, Techniken und Verfahren.

2 Drossart, Inga/ Mühlenhoff, Jörg (2010): Holzenergie. Bedeutung, Potenziale, Herausforderungen. Renews Spezial, Ausgabe 43, Oktober 2010.

3 Dieter, Matthias/ Englert, Hermann/ Klein, Markus (2001): Abschätzung des Rohholzpotenzials für die energetische Nutzung in der Bundesrepublik Deutschland. Bundesforschungsanstalt für Forst- und Holzwirtschaft.

4 Beckmann, Gisela (2006): Regionale Potenziale ausgewählter biogener Reststoffe. In: Informationen zur Raumentwicklung, Heft 1/2.2006: 23-33.

5 Mantau, Udo (2009): Holzrohstoffbilanz Deutschland. Szenarien des Holzaufkommens und der Holzverwendung bis 2012. In: Landbauforschung – vTI Agriculture and Forestry Research Sonderheft 327 2009: 27-36.

6 Kölling, Christian/ Göttlein, Axel/ Rothe, Andreas (2011): Biomassenutzung und Nährstoffentzug. Artikel auf Waldwissen.net

7 Waldrestholznutzung/Vollbaumnutzung. FSC Deutschland

8 Unseld, R./ Wenzel, M./ Weich, Th./ Stark, H./ Weinreich, A./ Bauhus, J. (2011):
Vorwald – Biomasse für Energie und Industrie. Artikel auf Waldwissen.net




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