Holz aus der Landschaftspflege

Laut Thrän et al. können als Landschaftspflegematerial “alle Materialien angesehen werden, die bei Maßnahmen anfallen, die vorrangig und überwiegend den Zielen des Naturschutzes und der Landschaftspflege im Sinne des BNatSchG dienen”1. Dieses Landschaftspflegematerial fällt zum Beispiel in geschützten Biotopen, auf Freiflächen außerhalb von land- und forstwirtschaftlicher Nutzfläche, in Gewässerrandstreifen oder auf brach gefallener ehemaliger Nutzfläche an.

Um technisch realisierbare und wirtschaftliche Konzepte für eine energetische Verwertung von Holz aus der Landschaftspflege erstellen zu können, müssen einige Aspekte bekannt sein:

  • Lage und Ausdehnung der Flächen, auf denen Landschaftspflegemaßnahmen durchgeführt werden
  • Menge, Qualität und räumliche Verteilung des verfügbaren Holzes
  • verfügbarer Anteil des anfallenden Holzes für eine energetische Nutzung2

Im Auftrag des Sächsischen Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie wurde von Feger et al. eine Untersuchung durchgeführt um das Biomassepotenzial aus der Landschaftspflege abzuschätzen. Die Auswertung der Daten und Abschätzung der Potenziale erfolgte mittels GIS. Des Weiteren wurden die Unteren Naturschutzbehörden sowie Naturschutz- und Landschaftspflegeverbände befragt. Die Erträge und prozentuale Verfügbarkeit der Biomasse wurden standortunabhängig auf alle Flächen übertragen. Für eine regionale Analyse müssen aber Standortbedingungen wie z. B. die Bodenart berücksichtigt werden.2

In Sachsen können auf etwa 270.000 ha Landschaftspflegematerial gewonnen werden. Vor allem Grünland, Siedlungs- und Verkehrsflächen sowie Gehölzstrukturen sind für die Gewinnung von Energieholz geeignet.2

In folgenden Biotoptypen fällt teilweise oder auch überwiegend Holz an.



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Einzelne Baumgruppen

Baumgruppen, Hecken, Gebüsche
Fläche in Sachsen: 33.200 ha (12 % der Gesamtfläche)

Bäume und Baumgruppen in der offenen Landschaft werden oft nur unregelmäßig gepflegt, z. B. aus Kostengründen. Das anfallende Holz wird direkt im Freiland verbrannt oder gehackt als Muchmaterial genutzt. Kopfweiden werden alle 5-10 Jahre geschnitten, das Holz wird zerkleinert oder unzerkleinert zu zentralen Lagerplätzen gebracht. Eine energetische Nutzung ist zwar möglich, aber aufgrund des vereinzelten Vorkommens nur in Kombination mit Holz aus anderen Quellen wirtschaftlich.2

Magerrasen, Felsflure, Zwergstrauchheiden
Fläche in Sachsen: ca. 22.600 ha (9 % der Gesamtfläche)

Die Flächen sind oft kleinteilig und liegen weit voneinander entfernt. Es fällt vor allem Stamm- und Astmaterial aus dem Rückschnitt von Pionierbaumarten wie Birke und Kiefer an. Das Holz wird zurzeit als Mulchmaterial genutzt oder direkt im Freiland verbrannt. Aus Kostengründen erfolgt oft kein Abtransport. Für eine energetische Nutzung fehlen eine geeignete Infrastruktur, Wirtschaftlichkeitskonzepte sowie die Vernetzung der einzelnen Akteure.2

Moore, Sümpfe
Fläche in Sachsen: ca. 3.000 ha (1 % der Gesamtfläche)

Um die Besonderheiten, die sich aus dem Standort und der Materialqualität ergeben, zu berücksichtigen, sind geeignete Logistik- und Verwertungskonzepte notwendig.2



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Gewässerrand mit Baumgruppe

Gewässerränder mit Vegetation
Fläche in Sachsen: ca. 5.000 ha (2 % der Gesamtfläche)

Hier fällt eher Halmgutmasse und weniger Holzmasse an.2

Siedlung, Infrastruktur, Grünflächen mit Vegetation
Fläche in Sachsen: ca. 46.000 ha (17 % der Gesamtfläche)

Hierzu zählt der Gehölzaufwuchs auf innerörtlichen Freiflächen wie etwa Parks, Friedhöfen, Sportplätzen und Spielplätzen. Auch bei der Pflege von Straßenbäumen fällt in größeren Zeitabständen Holz an. Es verbleibt auf der Fläche oder wird kompostiert. Die energetische Nutzung erfolgt nur in Einzelfällen.2



Landschaftspflegeholz in den Landkreisen

Insgesamt fallen in Sachsen jährlich 180.000 t Holz aus der Landschaftspflege an. Etwa 45 % dieses Holzes stammen aus den Landkreisen Bautzen, Görlitz und Mittelsachsen. In der Tabelle sind die jährlichen Biomasseerträge in den Landkreisen sowie die Anteile am Gesamtaufkommen aufgelistet.2

Die ermittelte Menge entspricht ungefähr der in einer Studie der Hochschule Zittau/Görlitz genannten Menge von 30-50 kg Landschaftspflegeholz je Einwohner und Jahr.3



Biomasseerträge Holz
LandkreisFlächenanteil in %in t/JahrAnteil in %
Bautzen12,9829.81616,63
Erzgebirgskreis9,9413.3897,47
Görlitz11,4628.30615,79
Leipzig8,9213.9457,77
Meißen7,913.6007,58
Mittelsachsen11,4621.00411,72
Nordsachsen10,989.3485,21
Sächsische Schweiz-Osterzgebirge8,9513.2547,39
Vogtlandkreis7,6813.3477,45
Zwickau5,159.3925,24
kreisfreie Stadt Dresden1,774.3022,4
kreisfreie Stadt Leipzig1,636.7293,75
kreisfreie Stadt Chemnitz1,192.8661,6
100179.298100



Literatur

1 Thrän, Daniela/ Lenz, Volker/ Zeller, Vanessa/ Schwenker, Andre/ Lorenz, Helge/ Peters, Wolfgang (2009): Gutachterliche Einordnung des Landschaftspflegebonus im EEG 2009. Deutsches BiomasseForschungsZentrum gGmbH. Leipzig.

2 Feger, K.- H./ Petzold, R./ Schmidt, P.A./ Glaser, Th./ Schroiff, A./ Döring, N./ Feldwisch, N./ Friedrich, Ch./ Peters, W./ Schmelter, H. (2009): Standortpotenziale, Standards und Gebietskulissen für eine natur- und bodenschutzgerechte Nutzung von Biomasse zur Energiegewinnung in Sachsen unter besonderer Berücksichtigung von Kurzumtriebsplantagen und ähnlichen Dauerkulturen. Schriftenreihe des Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (noch nicht veröffentlicht).

3 Analyse und Potential von Energieholz im Landkreis Görlitz der Hochschule Zittau/Görlitz. Link zum Download bei der Energie-Agentur Neiße




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